Philosophie des DeutschPunks 6 1: Unterschied zwischen den Versionen

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'''''6  Fragen'''''
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Nehmt euch, was sie euch genommen
Nehmt euch, was sie euch genommen
Nehmt euch das,was euch gehört
Nehmt euch das,was euch gehört
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ich kümmere mich abends meist auch um arbeitstechnische Dinge  
ich kümmere mich abends meist auch um arbeitstechnische Dinge  
und verbringe viele Wochenenden damit, Manuskripte und andere  
und verbringe viele Wochenenden damit, Manuskripte und andere  
Texte zu lesen oder sie zu bearbeiten. Sonderlich »punkig« ist das
nun wirklich nicht.
Schaue ich zwanzig Jahre in die Vergangenheit, erkenne ich, wie
sich vieles verändert hat. Bei vielen Wochenenden wusste ich nicht,
wo ich am Sonntag morgen aufwachen würde – vielleicht in einer
Polizeizelle oder in einer Absturz-WG? –, und die gelegentlichen
körperlichen Auseinandersetzungen in Verbindung mit viel zu viel
Alkohol brachten es mit sich, dass ich wenig Hirn für teures Essen
und schönen Rotwein aufbringen konnte.
47Schöner Nebeneffekt: Vor zwanzig Jahren futterte ich wie ein Scheu-
nendrescher und nahm nicht zu ... Der schöne Nebeneffekt heute: Ich
schleppe mich montags nicht mit Beulen auf dem Hinterkopf oder
grüngetretenen Schienbeinen zur Arbeit. Und ich muss nicht diens-
tags anrufen und mir für mein Fehlen am Vortag eine schlaue Ent-
schuldigung ausdenken.
Wahrscheinlich ist das normal: Wer älter wird, bekommt eine gewis-
se Ruhe, der Bauch scheint unweigerlich zu wachsen. Dass ich nicht
so richtig zufrieden bin, ist da doch geradezu beruhigend …“
45 Klaus N.Frick: Ein Reigentanz zum Knüppeltakt  
45 Klaus N.Frick: Ein Reigentanz zum Knüppeltakt  
46 http://www.punkfoto.de/posieren-heute
46 http://www.punkfoto.de/posieren-heute

Aktuelle Version vom 15. Oktober 2020, 15:27 Uhr

6 Fragen


Nehmt euch, was sie euch genommen Nehmt euch das,was euch gehört Macht kaputt, was euch kaputt macht Macht kaputt,was euch zerstört Noch ein Aufruf zur Revolte Noch ein Aufruf zur Gewalt Viel zu Lange gab`s Unterdrückung Steinigt diesen Staat! Eine Revolution für den Frieden und die Freiheit Eine Revolution für die Anarchie Einen Kampf der Unterdrückung, einem Kampf dem System Einen Kampf für die Anarchie!! 44 44 Wizo: Kein Gerede 45Was für eine Philosophie steckt hinter so einer Kultur die, je nach Inter- essenlage, bis heute so entgegengesetzt Reaktionen hervorruft (vgl. Kap. 2) und solche Konzepte wie die Chaostage und APPD hervorgebracht hat: „Zum Leidwesen von Pädagogen, Polizisten und Politikern hielt sich die Punkszene nie an irgendwelche Regeln. Nach kurzer rebel- lischer Phase in den späten Siebzigerjahren sollten die Punx bitte schön sich als kleiner Teil der Jugendkultur doch irgendwo be- quem einrichten. Viele folgten diesem Gedankengang, aber eben nicht alle.“ 45 Welche Philosophie entwickelt sich wenn man konsequent alle gesell- schaftlichen/bürgerlichen Normen hinter sich lässt, auf diese scheißt, ge- paart mit Selbstzerstörung und No Future. Dazu kommt, dass die wenigs- tens Punks sich intellektuell mit Philosophie bzw. Anarchie beschäftig- ten. Sie lebten es einfach, weil es ihnen so richtig erschien und daraus entwickelte sich die Punkphilosophie. Weshalb konnte trotz aller jahrzehntelange Versuche der (Medien)Indus- trie diese Punk niemals für sich vereinnahmen, und wieso sind Punks und Punkbands immer noch unabhängig und machen alles immer noch sel- ber? Wieso, oder trotz seiner selbstzerstörerischen Tendenzen (No Future), hat Punk bis heute überlebt. Denn trotz einer im Gegensatz zur Durchschnittsbevölkerung abschre- ckend hohen Sterberate, die zum einen der Lebensphilosophie, wie auch der daraus resultierenden Gefahren wie Nazis und Schikanen geschuldet ist, hat sich diese Kultur bis heute erhalten und die meisten Punks blei- ben diese Philosophie, sofern sie überleben, ein Leben lang treu 46 : „Gelegentlich packt mich in diesen Tagen die Empfindung, dass mein Leben ganz schön brav und langweilig geworden ist – man könnte auch sagen, es sei bürgerlich geworden: Ich gehe zur Arbeit, ich kümmere mich abends meist auch um arbeitstechnische Dinge und verbringe viele Wochenenden damit, Manuskripte und andere Texte zu lesen oder sie zu bearbeiten. Sonderlich »punkig« ist das

nun wirklich nicht.

Schaue ich zwanzig Jahre in die Vergangenheit, erkenne ich, wie

sich vieles verändert hat. Bei vielen Wochenenden wusste ich nicht,

wo ich am Sonntag morgen aufwachen würde – vielleicht in einer

Polizeizelle oder in einer Absturz-WG? –, und die gelegentlichen

körperlichen Auseinandersetzungen in Verbindung mit viel zu viel

Alkohol brachten es mit sich, dass ich wenig Hirn für teures Essen

und schönen Rotwein aufbringen konnte.

47Schöner Nebeneffekt: Vor zwanzig Jahren futterte ich wie ein Scheu-

nendrescher und nahm nicht zu ... Der schöne Nebeneffekt heute: Ich

schleppe mich montags nicht mit Beulen auf dem Hinterkopf oder

grüngetretenen Schienbeinen zur Arbeit. Und ich muss nicht diens-

tags anrufen und mir für mein Fehlen am Vortag eine schlaue Ent-

schuldigung ausdenken.

Wahrscheinlich ist das normal: Wer älter wird, bekommt eine gewis-

se Ruhe, der Bauch scheint unweigerlich zu wachsen. Dass ich nicht

so richtig zufrieden bin, ist da doch geradezu beruhigend …“

45 Klaus N.Frick: Ein Reigentanz zum Knüppeltakt 46 http://www.punkfoto.de/posieren-heute