Ideal: "Berlin" 2/16

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Ohne Musik, meine ich. Denn es ist ein schönes Stück James Blunt, wenn niemand wegen einem die Straßenseite wechselt. Und es erfüllt mich mit Pink Floyd, wenn sich der Punk wieder traut, einen anschnorren. Und es bemickjaggert die Sinne, wenn das nächste Zucken der fremden Frau auch ein Lächeln sein könnte, statt einer Kotzattacke. Kein Zweifel, es ist ein gutes Gefühl in richtigen Hosen, fast möchte man sagen: Sightseeing-Touren in vernünftiger Garderobe kommen echt besser. Ende März zog es mich mal wieder für ein paar Tage nach Berlin und ich freute mir ein Loch in den Arsch. Berlin ist meine alte Liebe, die Christbaumkugel unter den vielen Städten, die einem sonst so zugemutet werden. Darüber hinaus ist Berlin der Erreger aller möglichen Glücksgefühle, dann teilt sich die Stadt in tausend Zentrifugen, die sich alle himmelwärts bewegen wie auf einem irren Trip, ein Cadillac-Walk auf Konfetti und Stardust. Und Lampen. Mit Pudding. Ja, ich bin mir sicher: Wenn Berlin ein Gebäck wäre, wäre Berlin ein Yes-Torty. Und da fuhr ich hin, man mag es kaum glauben. Obwohl ich auch ein paar berufliche Dinge zu erledigen hatte, wollte ich es natürlich touristenmäßig so richtig krachen lassen. Das heißt: Zu Fuß durch möglichst viel Mauer, ein paar Gebäude betrachten und den Sensor ausfahren. Mal fühlen, was sich so tut zwischen Mensch und Haus. Als erfolgloser Schriftsteller ist man ja auch Sozialforscher, irgendwie. Und ich habe da durchaus meine Theorien. Ich weiß zwar noch nicht genau wie, aber ich bin mir zum Beispiel sicher, daß sich die Architektur, die einen umgibt, auch auf den Charakter der jeweiligen Bewohner niederschlägt. Sehen Sie, alte, gepflegte Jugendstil-Bauten werden vermutlich einen ausgeglichenen, in sich ruhenden Erdkunde-Lehrer gebären, Bungalows aus den 70er Jahren erschaffen oft ältere Frauen mit blondierten Haaren und Bianca-Jagger-Lippen, Hochhäuser Hip-Hop-Typen und Rechtsradikale.

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Mehr vom Tom Tonk gibt es auf hier OpenPunk oder auf seiner Seite: http://www.rockraketetonk.de